Andreas Knipping: Jahresrückblick 2012

Liebe Genossinnen und Genossen,
das erste oder zweite Bier ist getrunken, das balkantypische Essen ist im Vorgriff auf den EU-Beitritt Kroatiens gegessen, und klar: man war auch schon mal beim Pieseln, wenn auch nicht mehr heimeligen Atmosphäre der Postwirtschaftstoilette.

Inzwischen sind auch die Urkunden und Preise verteilt. Martin Eberl hat den Sonderausweis für Sozialdemokraten unter 60 bekommen und darf ihn noch bis 2034 behalten. Gertrud Merkert ist in die neue Arbeitsgemeinschaft der noch Berufstätigen in der SPD aufgenommen worden. Renate Morjan hat den in der Kabarettszene begehrten Salzburger Stier für ihre Kampfrede gegen das Maifest bekommen, die nach Berichten von Zeitzeugen so täuschend echt rüber kam, dass man meinen konnte, sie hätte echt etwas gegen die Fortsetzung des Maifests. Michael Gumtau hat von den in Bayern seit dem 18. Jahrhundert tätigen Illuminaten die goldene Straßenlaterne am Bande bekommen, ein Bericht hierzu in Omei-Heimat ist in Vorbereitung.

Ihr habt inzwischen auch die Vorerfolge unserer Kandidaten für die 2013er-Wahlen gefeiert. Ihr habt Kränzlein einen Kranz gewunden und Euch gefreut, dass auch Schrodi auf einen Weg geschickt wurde, auf dem er immer schroder und am Ende vielleicht sogar schröder werden wird. So haben wir ja auch schon die Steigerungen von Kohl zu Köhler und hohl zu Höhler erleben dürfen. Jetzt haben wir also einen Kränzlerkandidaten und in ein paar Jahren vielleicht sogar einen Kanzlerkandidaten. Den jetzigen Kanzlerkandidaten habt Ihr zu einem Besuch in Eichenau eingeladen, denn mehr steinerne Brücken über nur einen einzigen Bach wird er so schnell in keiner Gemeinde finden.
Ja, so nimmt die Jahresabschlussfeier ihren Lauf, aber irgendwas fehlt. Richtig: zu der Zeit, wo man es sich sonst gerne draußen in der Eiseskälte mit einer Zigarette ungemütlich gemacht hätte, ist dann ja immer der Andreas mit irgendwelchen Spruchweisheiten aufgetreten. Ja tatsächlich, der ist ja heute gar nicht da.

Sicher haben bereits Spekulationen begonnen, wo er steckt. Leute mit Wahnvorstellungen verschwinden in Bayern ja manchmal auch schnell in der Psychiatrie, denn die bayerische Justiz ist weltoffen und erprobt mit völliger Aufgeschlossenheit die russischen Verfahren der Eingeschlossenheit.

Wahnvorstellungen hat der Andreas ja: Machtwechsel in Bayern, ein handlungswilliger Bundesverkehrsminister, ein Bürgermeisterkandidat und ein paar mehr junge Mitglieder für die Eichenauer SPD, ein Verfassungsschutz, der die Verfassung schützt, ein Bundestag ohne FDP … einem Mann mit solchen Illusionen würde doch jeder Psychiater nach Aktenlage eine ausreichende Gefährlichkeit attestieren.

Aber falsch geraten, Andreas ist noch frei, zumal er auch einige psychiatrische Gerichtsgutachter aus der eigenen Zusammenarbeit gut kennt. Es könnte natürlich auch sein, dass der Andreas seine alte Ankündigung wahr gemacht hat, kurz vor seinem Tode zur CSU überzutreten, weil es ihm lieber sei, dass einer von denen stirbt. Aber so todesnah wirkte der Andreas zuletzt eigentlich nicht, auch wenn man ihn in den letzten Jahren verdächtig oft im Eichenauer Pflegeheim gesehen hat.

Oder hat er den Übertritt zu den Freien Wählern gewagt? Gewiss, das Vorbild von Hubert Aiwanger, im Zeichen weltweiter Verknappung der Vokale mit dem generellen Verzicht auf den ersten Buchstoben des Olphobets ein Zeichen zu setzen, verdient Onerkennung und Nochohmung. Hoben wir uns eigentlich jemols bei einem Opfelsoft oder einem Minerolwosser darüber Gedonken gemacht, wie viele Kleinbuchstoben in den ormen Ländern ungeschrieben oder ungesprochen bleiben müssen, nur weil wir so verschwenderisch mit dem A umgehen?

Aber wieder falsch geraten. Andreas ist weder in der Psychiatrie noch anderen Partei gelandet. Er genießt vielmehr am heutigen Abend Maultaschen und Trollinger im schönen Württemberg. Ein alter Freund und Hobby-Kollege, einer der mit etwa einer halben Million Aufnahmen in 50 Jahren eifrigsten und ambitioniertesten deutschen Eisenbahnfotografen, stellt ab heute eine Auswahl seiner Werke in einer Ausstellung in den Räumlichkeiten der Volkshochschule von Göppingen vor. Und Euer Andreas hat schon vor Monaten den ehrenvollen Auftrag erhalten, am heutigen Abend die entsprechende Laudatio zu halten.

Und deshalb wünsche ich Euch heute in Abwesenheit eine schöne und gemütliche Feier, gesunde und fröhliche Festtage und eine unbeeinträchtigte Motivation und Schaffenskraft in dem vor uns liegenden Wahlmarathon.
Euer Andreas