Eichenau - eine ärmliche Siedlung im Moos

Die Ebene, die im Südwesten durch die Roggensteiner und Emmeringer Leite, im Süden durch die Anhöhen bei Alling und Puchheim Ort, im Osten durch die Aubinger Lohe und im Norden durch den von Bergkirchen und Dachau malerisch gekrönten Höhenzug begrenzt wird, war bis vor wenig mehr als hundert Jahren eine für Besiedlung oder landwirtschaftliche Nutzung ungeeignete Moorlandschaft, die selbst dem Durchgangsverkehr großen Widerstand entgegensetzte.

1839 wurde die Eisenbahn von München nach Maisach, 1873 die Strecke von München nach Kaufering in Betrieb genommen. Beide Bahnen durchzogen in unserem Bereich eine noch kaum berührte Naturlandschaft.

Kurz vor der Jahrhundertwende setzte eine zögernde Besiedlung unseres Raumes ein. Die ersten, die das Moos urbar machten, waren Arbeiter aus München , die durch die elenden Wohn- und Ernährungsverhältnisse der Großstadt dazu veranlaßt wurden, im Umland nach billigem Grund für Kleingärten und Wochenendhäuser zu suchen. Künstler und Naturfreunde fanden entsprechend den großstadtfeindlichen Tendenzen der Zeit ebenfalls den Weg in die Idylle .

Chronik: Villa Pfaffinger

1905 wurden im sogenannten Allinger Moos genau 14 Haushaltungen mit 48 Einwohnern gezählt. Im selben Jahr eröffnete die Königlich Bayerische Staatsbahn zwischen Puchheim und Bruck die Haltestelle Roggenstein (bei der heutigen Unterführung nahe dem Gut Roggenstein).

1907 ; also vor nunmehr 90 Jahren, „geruhte“ Prinzregent Luitpold, den Häusern im „Unteren Allinger Moos“ zu gestatten, den Namen „Eichenau“ zu führen.

(Bis zur Gründung einer selbständigen Gemeinde Eichenau sollte freilich noch ein halbes Jahrhundert vergehen.)

Die Begradigung des Starzelbaches auf Veranlassung des Königlichen Kulturamtes München in den Jahren 1909 - 1912 schuf die Voraussetzungen für eine Trockenlegung und vermehrte Urbarmachung unseres Gebietes.

Im Ersten Weltkrieg war es die nackte Not, die Arbeiterfamilien aus der Großstadt täglich oder wenigstens am (einzig arbeitsfreien!) Sonntag aufs Land trieb.

Das dem Moos abgerungene Gemüsebeet wurde ein Stück Lebenserhaltung zu einer Zeit, da die diktatorisch regierende Oberste Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff für die Weiterführung eines militärisch längst aussichtslosen Krieges den Hungertod von entkräfteten Kindern und Greisen in den „Kohlrübenwintern“ 1916/17 und 1917/18 in Kauf nahm.

Es mag eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft gewesen sein, die da mit Rucksäcken und Tragekörben beladen zwischen „München Centralbahnhof“ und „Roggenstein“ die überfüllten Vorortzüge benutzte oder mit dem Handwagen auf den staubigen Landstraßen von Pasing ins Allinger Moos unterwegs war.

Die Begradigung des Gröbenbaches durch vor allem russische Kriegsgefangene aus dem Lager Puchheim war ein weiterer Schritt zur Trockenlegung des Mooses.

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