Eichenau 1924 - 1929

Sozialdemokraten in den Eichenauer Kommunalwahlen 1924 - 29

Nach dem Fehlschlag des Hitlerputsches und nach der Stabilisierung der Währung beruhigten sich in Bayern endlich die Verhältnisse. Von Kahr musste abtreten, und die Bayerische Volkspartei bezog Stellung gegen die Nationalsozialisten.

(Bei der letzten halbwegs freien Reichstagswahl im März 1933 sollten die Hochburgen der BVP neben denen der SPD und der KPD am meisten Resistenz gegen die Nazis zeigen. In vielen katholischen Gemeinden Altbayerns erreichte Hitler bei dieser nach seiner sogenannten Machtergreifung abgehaltenen Wahl noch nicht einmal 20 Prozent der Stimmen .
Prominente Mitglieder der BVP waren im Widerstand aktiv und büßten im KZ. Die CSU geht mit diesem ehrenvollen Erbe konservativ-konfessioneller Parteipolitik leichfertig um, wenn sie sich wie zuletzt in Sachen Gauweiler gegen Wehrmachtsausstellung zugunsten einer Wählerschicht am rechten Rand um die klare Abgrenzung von braunem Denken und von verharmlosenden Legenden über Nazizeit und Krieg drückt.)
Im umgekehrten Verhältnis zur Verwurzelung der Demokratie stand in der Weimarer Zeit die Vielfalt der Wahltermine. In Eichenau waren zwischen der SPD-Gründung 1922 und dem Beginn der Nazizeit 1933 zu wählen bzw. abzustimmen:

  1. April 1924: Landtag
  2. Mai 1924: Reichstag
  3. Dezember 1924: Reichstag
  4. Dezember 1924: Gemeinderat

  5. März 1925: Reichspräsident (erster Wahlgang)

  6. April 1925: Volksbegehren zur Wiederholung der Gemeinderatswahl
  7. April 1925: Volksentscheid zur Wiederholung der Gemeinderatswahl
  8. April 1925: Reichspräsident (zweiter Wahlgang)
  9. Mai 1925: Wiederholung der Gemeinderatswahl
  10. Mai 1928: Reichstag und Landtag
  11. Dezember 1929: Gemeinderat
  12. September 1930: Reichstag
  13. März 1932: Reichspräsident (erster Wahlgang)
  14. April 1932: Reichspräsident (zweiter Wahlgang)
  15. April 1932: Landtag
  16. Juli 1932: Reichstag
  17. November 1932: Reichstag
  18. März 1933: Reichstag und Landtag
  19. April 1933: Gemeinderat (nur BVP und NSDAP sind zur Wahl zugelassen)
  20. November 1933: Reichstag (Einheitsliste NSDAP)

Für die Wahlen auf Reichs- und Landesebene liegen spezielle Eichenauer Ergebnisse nicht vollständig vor.
Bei den Kommunalwahlen kandidierten außer Parteien auch parteiübergreifende und parteifreie Wählerbündnisse.
Die Gemeinderatswahl vom 17. 12. 1924 verschaffte sechs Eichenauer und sechs Allinger Kandidaten Plätze im Gemeinderat.

Georg Scheitinger war einziger sozialdemokratischer Gemeinderat. Der zusammengetretene Gemeinderat wählte wegen Stimmengleichheit per Losentscheid den parteifreien Eichenauer Johann Neumaier zum Ersten Bürgermeister.
Ein weiterer Eichenauer rückte nach, so daß einschließlich Bürgermeister ein Stimmenverhältnis von 7 : 6 für die Eichenauer bestand.
Daraufhin erzwangen die Allinger per Volksbegehren und Volksentscheid eine Wiederholung der Wahl.
Für die erneute Wahl am 17.5. 1925 wurden zwei Wahlbezirke gebildet, nämlich Alling I mit Alling Dorf, Holzkirchen, Germannsberg und Hoflach sowie Alling II mit Eichenau.
Eine SPD-Liste war nicht aufgestellt, Sozialdemokraten kandidierten aber auf der Liste „Treu Eichenau“. SPD-Mitglied Georg Scheitinger wurde erneut gewählt und gehörte dem Gemeinderat bis zum 31. 12. 1929 an.

Wiederum waren Eichenau und Alling mit je sechs Gemeinderäten vertreten. Der Bürgermeister war nicht neu zu wählen. Im Juli 1925 traf sich der SPD-Ortsverein Eichenau zu einem „genehmigten“ Waldfest beim Café Schwellner.
Am 4. September 1925 wurde die Gemeindeverwaltung auf Beschluß des Gemeinderates von Alling nach Eichenau verlegt. Wegen des erheblichen Widerstandes der Allinger bedurfte der Umzug des Schutzes durch zwei Puchheimer Gendarmen.